Das Konzept "zeitgenoessischer Pantomime" nach Ella Jaroszewicz
Die Kunst der Pantomime ist keine Kunst der Imitation. Seit vielen Jahren vollzieht sich eine betraechtliche Evolution in dieser Disziplin, wobei sich die Choreographie mit dem Theater verbindet. Die Kunst der Bewegung erhaelt dabei eine besondere Bedeutung in der Arbeit von jedem Buehnenkuenstler.
Die Unterrichtsform der traditionellen Pantomimenschule zeigt sich als nicht ausreichend, um sich an die heutige expressive Befehlsform anzupassen. Es ist daher wichtig, nicht zu vergessen, dass der Fortschritt und das Erkennen und Anwenden der Moeglichkeiten, mit unserem Koerper einen Charakter auszudruecken, ein Teil des Trainings ist, und nicht das Ziel an sich
Einen Pantomimen-Schauspieler auszubilden bedeutet fuer mich:
· Ihm seine eigene Persoenlichkeit bewusst zu machen und dabei die ganze Vielfalt der Koerpersprache zu nutzen. Jeder Teil des Koerpers hat seine eigene Ausdrucksmoeglichkeit. Diese zu gebrauchen macht dem Artisten seine Bedeutung bewusst, es lernt ihn die Intensitaet der Gestik zu ermessen und lehrt ihn zu bestimmen, mit welchem Teil des Koerpers es moeglich ist, eine bestimmte Aussage zu treffen.
· Ihn auf die Dynamik des Koerpers aufmerksam zu machen. Ihn das Zentrum entdecken zu lassen, von dem die sinnvollen Bewegungen ausgehen. Wiederholung bewirkt die Entwicklung von Perfektion und die Faehigkeit ,mit jedem individuellen Teil des Koerpers etwas auszudruecken.
· Ihn zu oeffnen fuer den Dialog zwischen Musik und Bewegung. Wo die Musik als Energietraeger auftritt, muss er die Musikalitaet der Geste entwickeln. Die Arbeit mit der Musik gibt dem Schauspieler das Bewusstsein fuer die Dauer des Schauspiels und hilft ihm ,sich der Beziehung seines Koerpers zum Raum zu erinnern.
Seit 25 Jahren leite ich nun den Unterricht fuer Pantomime und Koerpertraining an der meiner eigens dafuer gegruendeten Schule Magenia in Paris. Eine Vielzahl der Studenten, die ich unterrichtet habe, sind heute in unterschiedlichen Bereichen des Theaters taetig, in Frankreich, der Schweiz, den USA, Japan, Norwegen, Spanien, Deutschland...Waehrend der sechzehnjaehrigen Existenz meiner Companie habe ich ueberall in Europa mehr als 20 Eigenkreationen fuer das Theater aufgefuehrt (siehe Pressestimmen) Ich arbeitete zusammen mit Roman Polanski fuer dessen Produktion von Kafka’s « Metarmophose » am Gymnase Theatre von Paris, wobei ich fuer die gestische Regiefuehrung verantwortlich war.
Es ist meine Absicht, ein Unterrichtskonzept fuer Pantomimen- Schauspieler anzuwenden, das sie dazu befaehigt, ihren Koerper als ein Ausdrucksinstrument zu benutzen. Diese Ausdrucksmoglichkeiten zeichnen sich durch eine gleichzeitig ablaufende koerperliche Arbeit aus, die den Pantomimen-Schauspieler in einer neuen Art von Aesthetik fuer sich selbst sensibilisieren